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Wohnungsbau in NRW: Warum steigende Baugenehmigungen noch kein Baustart sind

Die Baugenehmigungen in Deutschland steigen - im Juli 22.500 Wohnungen, ein Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt.

Wohnungsbau in NRW: Warum steigende Baugenehmigungen noch kein Baustart sind

Damit setzt sich der Trend aus dem ersten Halbjahr fort: rund 15 Prozent mehr Genehmigungen, der stärkste Halbjahreswert seit 2016. Klingt nach Aufbruch - ist aber nur die halbe Wahrheit. Für Bauherren in NRW entscheidet sich jetzt, ob das Plus auf dem Papier auch auf Ihrer Baustelle ankommt.

Genehmigt ist nicht bezahlt

Die wichtigste Unterscheidung für alle, die jetzt bauen wollen: Eine Baugenehmigung ist noch keine Finanzierung. Von Januar bis Juli wurden 121.200 Wohnungen in Neubauten genehmigt - dem stehen im gesamten vergangenen Jahr nur 206.600 fertiggestellte Wohnungen gegenüber, der niedrigste Wert seit 2012. Die Lücke zwischen Genehmigung und Fertigstellung war selten so groß wie heute. Wenn Sie gerade Ihre Baugenehmigung in NRW erhalten haben, fragen Sie Ihren Notar oder Steuerberater kritisch nach der tatsächlichen Zeitspanne: Wie lange dauert es von der Genehmigung bis zum tatsächlichen Baubeginn? Wo liegen die Engpässe in Ihrer Kommune? Prüfen Sie das, bevor Sie den Werkvertrag mit Ihrer Baufirma unterschreiben.

Die zwei Bremsen: Zinsen und überholte Standards

Der wissenschaftliche Direktor des IMK der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, warnt klar: Die Zinsen für 10-jährige Immobilienkredite liegen bereits 0,5 Prozentpunkte über dem Jahresanfang. Genau das ist das Risiko, das eine knappe Finanzierung in eine Bedrohung verwandelt. Rechnen Sie Ihren Finanzierungsplan nicht mit dem heutigen Zins, sondern mit einem Puffer von mindestens einem weiteren Prozentpunkt. Dullien erwartet, dass dieser Aufwärtstrend anhält - Ihre Reserve für Unvorhergesehenes (in der Regel 10 bis 15 Prozent der Bausumme) muss darum auch bei steigenden Zinsen noch greifen.

Gleichzeitig fordert der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa, mehr Tempo beim "Gebäudetyp E" mit einfacheren und günstigeren Baustandards. Für Sie als Bauherr in NRW ist das direkt umsetzbar: Verlangen Sie von Ihrem Architekten oder Fertighaushersteller eine schriftliche Bestätigung, dass nach diesen Standards geplant wird - oder lassen Sie sich Abweichungen schriftlich begründen und preislich beziffern. Die teuerste Fehlerquelle im deutschen Wohnungsbau ist nicht die Baugenehmigung, sondern überzogene Einzelanforderungen, die über das technische Minimum hinausgehen.

Drei Prüfpunkte, bevor Sie unterschreiben

  • Prüfen Sie Ihre Finanzierung mit einem Zinspuffer von mindestens 1 Prozentpunkt - der Aufwärtstrend ist nicht vorbei.
  • Bestehen Sie auf den Gebäudetyp E oder gleichwertige vereinfachte Standards in Ihrem Werkvertrag - jede Abweichung muss schriftlich begründet und beziffert sein.
  • Fragen Sie bei Ihrer Bauaufsichtsbehörde in NRW nach der aktuellen Bearbeitungszeit und reichen Sie alle Unterlagen vollständig ein.

Die steigenden Genehmigungszahlen sind kein Grund zur Eile. Sie sind ein Grund, jetzt zu prüfen, ob Ihr eigenes Projekt technisch und finanziell wasserdicht ist - bevor Sie den Antrag stellen.