Photovoltaik-Speicher: Drei Methoden zur optimalen Kapazitätsberechnung
1 kWh nutzbare Speicherkapazität je 1.000 kWh Jahresstromverbrauch ist der belastbare Ausgangspunkt für die Dimensionierung eines PV-Speichers im Einfamilienhaus.

Die Speicherkapazität darf zugleich höchstens etwa 1,5 kWh je 1 kWp installierter Photovoltaikleistung betragen. Beide Werte stammen aus den Auslegungsempfehlungen der Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin.
Damit ist die zentrale Fehlannahme korrigiert: Ein Stromspeicher wird nicht automatisch passend, wenn seine Kapazität der PV-Leistung entspricht. Eine Anlage mit 8 kWp und 8 kWh Speicher kann sinnvoll sein. Sie kann aber ebenso überdimensioniert sein, wenn der Haushalt nur 3.000 kWh Strom pro Jahr verbraucht. Die optimale Speichergröße entsteht aus dem Verhältnis von Verbrauch, PV-Leistung und Lastprofil.
Für die Photovoltaik-Speicher-Kapazitätsberechnung im Einfamilienhaus stehen drei Methoden zur Verfügung:
1. die verbrauchsbasierte Dimensionierung,
2. die anlagenbasierte Auslegung,
3. die Lastprofil- beziehungsweise Nachtverbrauchsmethode.
Jede Methode beantwortet eine andere Frage. Die erste liefert einen robusten Startwert. Die zweite begrenzt die Speicherkapazität anhand der PV-Anlage. Die dritte ist präziser, setzt aber belastbare Verbrauchsdaten voraus.
Die verbrauchsbasierte Dimensionierung: Der Richtwert der HTW Berlin
Die einfachste Berechnung verwendet den Jahresstromverbrauch. Die Formel lautet:
Nutzbare Speicherkapazität = Jahresstromverbrauch ÷ 1.000
Bei einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh ergibt sich daraus:
4.000 kWh ÷ 1.000 = 4 kWh nutzbare Speicherkapazität
Bei 6.000 kWh Jahresverbrauch liegt der rechnerische Richtwert bei 6 kWh. Gemeint ist die nutzbare Kapazität, nicht zwingend die auf dem Typenschild angegebene Bruttokapazität. Hersteller reservieren Teile der Batterie zum Schutz vor vollständiger Entladung und Überladung. Für den Vergleich mehrerer Angebote zählt deshalb die nutzbare Speicherkapazität.
Die verbrauchsbasierte Methode ist für die Vorplanung geeignet, weil sie den Speicher an die tatsächliche Stromabnahme koppelt. Der Verbrauch ist der begrenzende Faktor. Eine Batterie kann nur dann wirtschaftlich arbeiten, wenn regelmäßig ausreichend Strom aufgenommen und später wieder abgegeben wird.
Rechenbeispiele für typische Verbrauchssituationen
| Jahresstromverbrauch | Richtwert nutzbare Speicherkapazität | Einordnung |
|---|---|---|
| 3.000 kWh | etwa 3 kWh | kleiner Haushalt ohne elektrische Zusatzverbraucher |
| 4.000 kWh | etwa 4 kWh | typischer Ausgangswert für ein Einfamilienhaus |
| 5.000 kWh | etwa 5 kWh | höherer Haushaltsverbrauch oder zusätzliche Verbraucher |
| 6.000 kWh | etwa 6 kWh | Haushalt mit Wärmepumpe, Elektrofahrzeug oder hoher Grundlast |
Die Tabelle liefert keine verbindliche Endgröße. Sie zeigt nur die Größenordnung. Eine Wärmepumpe verändert das Lastprofil erheblich. Ihr Stromverbrauch steigt im Winter, wenn die PV-Anlage wenig Energie liefert. Ein Elektrofahrzeug kann den Jahresverbrauch stark erhöhen, steht aber oft tagsüber am Arbeitsplatz und nicht am Hausanschluss. Ein höherer Jahresverbrauch führt deshalb nicht automatisch zu einem gleich großen Speicherbedarf.
Für einen Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch und 10 kWp PV-Leistung wäre ein Speicher mit 10 kWh nutzbarer Kapazität nach der verbrauchsbasierten Methode zu groß angesetzt. Die PV-Anlage kann diese Batterie im Sommer zwar laden. Der Haushalt muss die gespeicherte Energie aber auch abnehmen. Ist der nächtliche Verbrauch niedrig, bleibt ein erheblicher Teil der Kapazität ungenutzt.
Der Jahresverbrauch bestimmt die Größenordnung. Das Lastprofil entscheidet, ob diese Größenordnung technisch und wirtschaftlich passt.
Anlagenbasierte Auslegung: Speicherkapazität pro kWp Photovoltaik
Die zweite Methode setzt bei der installierten PV-Leistung an. Als praxisüblicher Richtwert gilt ein Verhältnis von etwa 1,0 bis 1,25 kWh Speicherkapazität je 1 kWp PV-Leistung.
Eine PV-Anlage mit 5 kWp ergibt damit folgende Bandbreite:
- 5 kWp × 1,0 kWh = 5 kWh Speicher
- 5 kWp × 1,25 kWh = 6,25 kWh Speicher
Die anlagenbasierte Rechnung ist leicht anzuwenden. Sie berücksichtigt, dass eine größere PV-Anlage mehr Energie für die Ladung bereitstellen kann. Sie ersetzt aber nicht die Verbrauchsanalyse. Die gleiche 10-kWp-Anlage kann an einem Haushalt mit 3.000 kWh Jahresverbrauch und an einem Haushalt mit 7.000 kWh Jahresverbrauch angeschlossen sein. Die passende Speichergröße ist in beiden Fällen nicht identisch.
Die HTW Berlin nennt zusätzlich eine Obergrenze von etwa 1,5 kWh Speicherkapazität je 1 kWp installierter PV-Leistung. Diese Grenze dient der Vermeidung einer Überdimensionierung. Bei 8 kWp PV-Leistung sollte die nutzbare Speicherkapazität danach höchstens ungefähr 12 kWh betragen.
Das ist keine Empfehlung, grundsätzlich bis zu dieser Grenze zu bauen. Es handelt sich um eine Begrenzung, nicht um ein Ziel. Ein Speicher mit 12 kWh kann bei 8 kWp PV-Leistung technisch vertretbar sein, obwohl ein Speicher mit 6 oder 8 kWh wirtschaftlich besser passt.
Die Mindestgröße der PV-Anlage
Ein Batteriespeicher benötigt ausreichende PV-Leistung. Nach der HTW-Auslegung sollte die PV-Leistung mindestens 0,5 kW je 1.000 kWh Jahresstromverbrauch betragen.
Für einen Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch ergibt sich:
4.000 kWh ÷ 1.000 × 0,5 kW = 2 kW PV-Leistung
Diese Untergrenze beschreibt die technische Voraussetzung für einen sinnvollen Speicherbetrieb. Sie bedeutet nicht, dass 2 kWp für diesen Haushalt eine vollständige oder wirtschaftlich optimale PV-Anlage darstellen. Für die praktische Planung ist eine größere PV-Fläche regelmäßig günstiger als ein größerer Speicher. Zusätzliche PV-Leistung erzeugt auch im Übergangsjahr Energie und verbessert die direkte Nutzung im Haushalt.
Die anlagenbasierte Dimensionierung funktioniert daher nur im Zusammenspiel mit der verbrauchsbasierten Rechnung:
1. Jahresverbrauch ermitteln.
2. Speicherrichtwert nach Verbrauch berechnen.
3. Speichergröße anhand der PV-Leistung begrenzen.
4. Lastprofil und technische Daten des Systems prüfen.
Beispiel: Ein Haushalt verbraucht 5.000 kWh pro Jahr. Die verbrauchsbasierte Rechnung ergibt rund 5 kWh nutzbare Kapazität. Die PV-Anlage leistet 4 kWp. Nach dem anlagenbasierten Verhältnis wären etwa 4 bis 5 kWh plausibel. Die HTW-Obergrenze läge bei 6 kWh. Ein 10-kWh-Speicher wäre in diesem Szenario nicht durch den Verbrauch oder die PV-Leistung begründet.
Lastprofil-Analyse: Den nächtlichen Strombedarf abdecken
Die genaueste Methode betrachtet nicht den Jahresverbrauch, sondern den zeitlichen Verlauf des Strombedarfs. Entscheidend ist die Energiemenge, die nach Sonnenuntergang bis zum nächsten Morgen benötigt wird.
Ein Batteriespeicher soll typischerweise den Verbrauch vom späten Nachmittag bis in die frühen Morgenstunden abdecken. Der Speicher muss dafür nicht den gesamten Tagesverbrauch aufnehmen. Der direkte PV-Eigenverbrauch bleibt die wirtschaftlich günstigste Form der Solarstromnutzung, weil keine Lade- und Entladeverluste über den Batteriespeicher entstehen.
Als Richtwert kann die Speicherkapazität etwa 65 % des durchschnittlichen Tagesverbrauchs abdecken. Der durchschnittliche Tagesverbrauch wird so berechnet:
Jahresstromverbrauch ÷ 365
Bei 4.000 kWh Jahresverbrauch ergibt sich:
4.000 kWh ÷ 365 = rund 11 kWh pro Tag
Davon 65 %:
11 kWh × 0,65 = rund 7,2 kWh
Dieser Wert darf nicht isoliert verwendet werden. Er bildet eine Orientierung für die Nachtabdeckung. Die tatsächliche Dimensionierung hängt davon ab, ob der Verbrauch gleichmäßig verteilt ist oder ob einzelne große Verbraucher die Bilanz dominieren.
Ein Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch kann beispielsweise tagsüber einen großen Teil der Energie für Kochen, Waschen und Arbeiten im Homeoffice direkt aus der PV-Anlage beziehen. Dann sinkt der nächtliche Bedarf. Ein anderer Haushalt mit derselben Jahresmenge verbraucht den Strom überwiegend morgens und abends. Dort kann ein größerer Speicher stärker ausgelastet werden.
Welche Daten für die Lastprofil-Methode benötigt werden
Eine belastbare Analyse verwendet Viertelstundenwerte oder mindestens stündliche Verbrauchsdaten. Jahresabrechnungen reichen dafür nicht aus. Sie zeigen die Energiemenge, aber nicht den Zeitpunkt des Verbrauchs.
Für die Auslegung sind insbesondere diese Daten relevant:
- Verbrauch zwischen 16 und 8 Uhr,
- Grundlast während der Nacht,
- saisonale Unterschiede,
- Betriebszeiten einer Wärmepumpe,
- Ladezeiten eines Elektrofahrzeugs,
- Leistungsaufnahme von Warmwasserbereitung und Lüftungsanlage,
- Anteil des direkten PV-Verbrauchs,
- geplante Änderungen des Haushaltsverbrauchs.
Die Grundlast wird häufig überschätzt. Ein Haushalt mit dauerhaft 300 W elektrischer Leistung verbraucht bereits rund 7,2 kWh pro Tag, wenn diese Last durchgehend anliegt. Eine niedrigere Grundlast reduziert den Energiebedarf des Speichers deutlich. Die Messung anstelle einer pauschalen Annahme verbessert die Auslegung.
Die Lastprofil-Methode ist besonders relevant, wenn mehrere elektrische Systeme zusammentreffen. Eine Wärmepumpe, eine kontrollierte Wohnraumlüftung, eine Wallbox und ein Batteriespeicher bilden kein einfaches Verbrauchsprofil. Die Betriebszeiten überschneiden sich nicht zwingend. Eine Wallbox kann bei PV-Ertrag direkt laden. Die Wärmepumpe kann über eine geeignete Regelung thermische Speichermassen nutzen. Der Batteriespeicher muss dann nicht jede zusätzliche Kilowattstunde aufnehmen.
Die optimale Speichergröße entsteht aus drei Grenzen
Die drei Methoden liefern unterschiedliche Ergebnisse. Für eine robuste Dimensionierung müssen sie zusammengeführt werden. Ein sinnvoller Speicher liegt nicht beim höchsten errechneten Wert, sondern innerhalb des Bereichs, den Verbrauch, PV-Leistung und Lastprofil gemeinsam zulassen.
| Prüfgröße | Rechenansatz | Funktion |
|---|---|---|
| Jahresverbrauch | 1 kWh Speicher je 1.000 kWh Verbrauch | verhindert eine vom Verbrauch entkoppelte Übergröße |
| PV-Leistung | etwa 1,0 bis 1,25 kWh Speicher je 1 kWp PV | stellt ein angemessenes Verhältnis zur Erzeugung her |
| Obergrenze | höchstens etwa 1,5 kWh je 1 kWp PV | begrenzt das Risiko der Überdimensionierung |
| Nachtverbrauch | rund 65 % des durchschnittlichen Tagesverbrauchs als Orientierung | nähert die Kapazität an das tatsächliche Lastprofil an |
| PV-Mindestleistung | mindestens 0,5 kW je 1.000 kWh Jahresverbrauch | verhindert einen Speicher ohne ausreichende Ladequelle |
Ein Beispiel verdeutlicht die Vorgehensweise. Das Einfamilienhaus verbraucht 4.500 kWh Strom pro Jahr. Die PV-Anlage hat 7 kWp. Die drei Rechnungen ergeben:
- Verbrauchsmethode: etwa 4,5 kWh nutzbare Speicherkapazität.
- Anlagenmethode: etwa 7 bis 8,75 kWh.
- HTW-Obergrenze: höchstens etwa 10,5 kWh.
- Tagesverbrauch: rund 12,3 kWh.
- 65 % des Tagesverbrauchs: rund 8 kWh.
Die Ergebnisse bilden keinen einzelnen mathematischen Endwert. Sie zeigen einen plausiblen Bereich von etwa 4,5 bis 8 kWh. Der niedrige Wert folgt aus dem Jahresverbrauch. Der höhere Wert folgt aus dem nächtlichen Bedarf. Ohne gemessene Lastdaten ist ein Speicher im unteren bis mittleren Bereich dieses Korridors die sachlich defensivere Wahl.
Ein 15-kWh-Speicher wäre dagegen nicht durch die Berechnung gedeckt. Er würde weder zum Jahresverbrauch noch zur PV-Leistung passen. Die zusätzliche Kapazität könnte im Sommer häufig nicht sinnvoll genutzt werden. Im Winter fehlt die Solarenergie, um den Speicher regelmäßig vollständig zu laden.
Die Gefahr der Überdimensionierung
Ein überdimensionierter PV-Speicher verursacht zwei getrennte Probleme: Er wird seltener vollständig geladen und bleibt häufiger teilweise ungenutzt.
Im Winter sinkt der PV-Ertrag. Die Batterie erreicht ihre volle Kapazität an vielen Tagen nicht. Ein größerer Speicher verbessert die Versorgung in diesem Fall nicht automatisch, weil die notwendige Ladeenergie fehlt. Die Engstelle liegt bei der Erzeugung, nicht bei der Batteriekapazität.
Im Sommer entsteht das umgekehrte Problem. Die PV-Anlage liefert ausreichend Energie, aber der Haushalt kann den Speicher nach der Nacht schnell wieder laden. Ist die Batterie deutlich größer als der nächtliche Bedarf, bleibt ein Teil der Kapazität nach der morgendlichen Entladung ungenutzt oder wird nur selten benötigt.
Die Investition erhöht sich, ohne dass die nutzbare Energiemenge im gleichen Maß steigt. Das verschlechtert die Amortisationszeit. Eine größere Batterie erhöht zwar theoretisch den Eigenverbrauch durch Batteriespeicher. Wirtschaftlich zählt aber nur die zusätzliche Energiemenge, die tatsächlich geladen, entladen und im Haushalt verbraucht wird.
Warum Eigenverbrauch und Wirtschaftlichkeit nicht identisch sind
Der Eigenverbrauchsanteil kann mit einem größeren Speicher steigen. Das bedeutet nicht automatisch, dass auch die Wirtschaftlichkeit steigt. Der Speicher arbeitet mit Umwandlungsverlusten. Zusätzlich entstehen Kosten für Batterie, Wechselrichter, Installation, Regelung und späteren Ersatz.
Eine Speicherkapazität ist wirtschaftlich nur dann begründet, wenn sie regelmäßig genutzt wird. Dafür müssen drei Bedingungen zusammenkommen:
- Es steht ausreichend PV-Energie zum Laden zur Verfügung.
- Der Haushalt benötigt die Energie später tatsächlich.
- Der finanzielle Vorteil der eingesparten Netzstrommenge rechtfertigt die Investition.
Die Amortisationszeit lässt sich ohne individuelles Lastprofil und ohne Annahmen zur Strompreisentwicklung nicht seriös als feste Zahl angeben. Eine pauschale Wirtschaftlichkeitsrechnung mit identischen Betriebsstunden für alle Haushalte ist fachlich wertlos. Der Verbrauch einer Wärmepumpe, die Ladezeiten eines Elektrofahrzeugs und die verfügbare PV-Leistung verändern das Ergebnis erheblich.
Technische Daten entscheiden nach der Kapazität
Die Kapazität allein beschreibt keinen vollständigen Speicher. Zwei Systeme mit jeweils 8 kWh nutzbarer Speicherkapazität können im Betrieb deutlich unterschiedliche Ergebnisse liefern.
Nutzbare und nominale Kapazität
Für die Auslegung zählt die nutzbare Kapazität. Die nominale Kapazität enthält häufig einen Bereich, der nicht vollständig zur Verfügung steht. Angebote müssen diese beiden Werte getrennt ausweisen. Eine Batterie mit großer Bruttokapazität ist nicht automatisch größer nutzbar.
Lade- und Entladeleistung
Die Kapazität beschreibt die Energiemenge. Die Lade- und Entladeleistung beschreibt, wie schnell diese Energie aufgenommen oder abgegeben werden kann. Ein Haushalt mit Wärmepumpe und Wallbox benötigt in bestimmten Betriebszuständen eine höhere Leistung als ein Haushalt mit geringer Grundlast.
Eine Batterie mit ausreichender kWh-Kapazität kann dennoch ungeeignet sein, wenn ihre Entladeleistung für die Lastspitzen nicht ausreicht. Dann muss das Netz die Differenz liefern. Für die Eigenverbrauchsoptimierung ist deshalb neben der Kapazität die elektrische Leistung des Batterie-Wechselrichters zu prüfen.
Wirkungsgrad und Stand-by-Verbrauch
Jede Speicherung verursacht Verluste. Solarstrom wird zunächst in der Batterie gespeichert und später wieder in Wechselstrom umgewandelt. Der relevante Wert ist der Systemwirkungsgrad über den vollständigen Lade- und Entladezyklus.
Auch der Stand-by-Verbrauch des Systems wirkt sich aus. Bei kleinen Haushaltsverbräuchen kann eine dauerhaft aktive Regelung einen größeren Anteil der gespeicherten Energie beanspruchen als bei einem hohen Nachtverbrauch. Datenblätter sollten deshalb nicht nur die Zellkapazität, sondern das Gesamtsystem beschreiben.
Ersatzstromfähigkeit
Notstrom- oder Ersatzstromfunktionen sind eine zusätzliche technische Eigenschaft. Sie ändern die wirtschaftliche Speichergröße nicht automatisch. Wer im Netzbetrieb einen 5-kWh-Speicher benötigt, braucht für die Versorgung bestimmter Stromkreise bei Netzausfall nicht zwingend eine größere Batterie. Entscheidend sind die gewünschte Dauer, die zulässige Last und die elektrische Verschaltung.
Die Ersatzstromfähigkeit kann jedoch zusätzliche Komponenten und Installationsaufwand erfordern. Sie muss im Angebot klar beschrieben sein. Eine allgemeine Werbeaussage zur Notstromversorgung reicht nicht.
Wenn Wärmepumpe und Wallbox hinzukommen
Die Kombination aus PV-Anlage, Wärmepumpe, Batteriespeicher und Wallbox wird häufig falsch dimensioniert. Der zusätzliche Stromverbrauch erhöht nicht automatisch den Bedarf an Batteriekapazität.
Eine Wärmepumpe benötigt im Winter besonders viel Energie. Gleichzeitig ist die PV-Erzeugung in dieser Jahreszeit begrenzt. Ein großer Speicher kann diesen saisonalen Unterschied nicht ausgleichen. Dafür wäre eine Speicherkapazität erforderlich, die über Wochen oder Monate Energie vorhält. Batteriespeicher für Einfamilienhäuser arbeiten dagegen in der Regel im Tageszyklus.
Die Wallbox bietet ein anderes Lastprofil. Ein Elektrofahrzeug kann bei Anwesenheit am Haus tagsüber direkt mit PV-Strom geladen werden. Ist das Fahrzeug während der solaren Erzeugungszeit nicht verfügbar, verschiebt sich der Bedarf in den Abend. Dann kann ein Batteriespeicher einen Teil der Ladung übernehmen. Die verfügbare Batterieenergie reicht aber nicht aus, um jede vollständige Fahrzeugladung zusätzlich abzudecken.
Für die Dimensionierung sollte daher nicht der theoretische Jahresverbrauch des Elektrofahrzeugs entscheidend sein, sondern:
- ob das Fahrzeug tagsüber am Gebäude steht,
- wann die Ladezeiten liegen,
- welche Ladeleistung benötigt wird,
- ob eine PV-Überschussregelung eingesetzt wird,
- wie viel Energie nach Haushaltsverbrauch und Wärmepumpenbetrieb übrig bleibt.
Ein Smart-Home-System oder ein Energiemanagement kann die vorhandene Energie besser verteilen. Es erzeugt aber keine zusätzliche PV-Leistung und vergrößert die Batterie nicht. Regelungstechnik verbessert die Nutzung. Sie ersetzt keine korrekte Auslegung.
So wird die Speichergröße im Bauprojekt festgelegt
Die Speicherberechnung gehört in die Gesamtplanung der Haustechnik. Sie sollte nicht erst nach der Auswahl der PV-Module erfolgen. Dachfläche, Wechselrichter, Wärmepumpe, Warmwasserbereitung, Wallbox und Batterie beeinflussen sich gegenseitig.
Ein belastbarer Planungsablauf sieht so aus:
1. Jahresverbrauch bestimmen.
Für ein bestehendes Gebäude dient die Stromabrechnung als Ausgangspunkt. Bei einem Neubau müssen Wärmepumpe, Lüftungsanlage, Haushaltsstrom und geplante Elektromobilität getrennt betrachtet werden.
2. PV-Leistung festlegen.
Die verfügbare Dachfläche, Ausrichtung, Dachneigung und Verschattung bestimmen die Erzeugungsseite. Eine kleinere PV-Anlage darf nicht durch einen größeren Speicher kompensiert werden.
3. Verbrauchsbasierten Richtwert berechnen.
Der Jahresverbrauch geteilt durch 1.000 liefert den ersten Wert für die nutzbare Speicherkapazität.
4. Anlagenbasierte Grenze anwenden.
Das Verhältnis von etwa 1,0 bis 1,25 kWh Speicher je 1 kWp PV-Leistung zeigt, ob der Verbrauchswert zur Anlage passt. Die Obergrenze von etwa 1,5 kWh je 1 kWp verhindert eine deutlich überzogene Dimensionierung.
5. Nachtverbrauch analysieren.
Viertelstundenwerte oder stündliche Lastdaten zeigen, wie viel Energie tatsächlich zwischen PV-Erzeugung und dem nächsten Morgen benötigt wird.
6. Technische Leistung prüfen.
Nutzbare Kapazität, Ladeleistung, Entladeleistung, Systemwirkungsgrad, Ersatzstromfunktion und Garantiebedingungen gehören in den Vergleich.
7. Wirtschaftlichkeit rechnen.
Die zusätzliche Eigenverbrauchsmenge muss den Investitionsaufwand rechtfertigen. Eine größere Kapazität wird nicht dadurch wirtschaftlich, dass sie auf dem Datenblatt verfügbar ist.
Klare Entscheidung für die Praxis
Für ein typisches Einfamilienhaus ist die verbrauchsbasierte Methode der beste Startpunkt. Sie verhindert die häufigste Fehlentscheidung: einen Speicher ausschließlich nach der PV-Leistung auszuwählen. Die anlagenbasierte Methode ergänzt diese Rechnung und begrenzt das Verhältnis zwischen PV-Leistung und Batterie. Die Lastprofil-Analyse liefert die präziseste Entscheidung, sofern reale Verbrauchsdaten vorliegen.
Die sachlich belastbare Reihenfolge lautet:
- Erst den Jahresverbrauch bestimmen.
- Dann die PV-Leistung und die nutzbare Speicherkapazität ins Verhältnis setzen.
- Danach den nächtlichen Bedarf analysieren.
- Zum Schluss technische Leistungsdaten und Wirtschaftlichkeit bewerten.
Ein Speicher mit maximaler Kapazität ist kein Qualitätsmerkmal. Ein Speicher mit passender Kapazität ist die bessere Anlage. Für die meisten Einfamilienhäuser liegt die wirtschaftlich vertretbare Lösung näher am gemessenen Nachtverbrauch als an der maximal möglichen Batteriegröße. Die optimale Speichergröße ist deshalb kein pauschaler Wert pro kWp. Sie ist das Ergebnis einer kontrollierten Begrenzung durch Verbrauch, PV-Erzeugung und tatsächliches Lastprofil.