Druckfestigkeit von Ziegeln: Unsere Testmethode für den Rohbau

Eine Zahl steht auf jeder Ziegelpalette, die in Nordrhein-Westfalen auf eine Baustelle rollt: die Steindruckfestigkeitsklasse, kurz SFK. Wer diese Zahl nicht mit der Statik in Beziehung setzen kann, baut im Trüben.

Druckfestigkeit von Ziegeln: Unsere Testmethode für den Rohbau

Wer als Bauherr nicht weiß, was die SFK überhaupt bedeutet, hat kaum eine Chance, den Lieferschein richtig zu lesen. In NRW wird nach DIN 105-100 und DIN EN 771-1 ausgeschrieben, geprüft wird nach DIN EN 772-1. Das klingt trocken, ist aber der Werkzeugkasten, mit dem eine Wand steht oder eben nicht.

Wir haben kein eigenes Prüflabor, keine Druckpresse und führen keine akkreditierte Materialprüfung durch. Was wir haben, ist eine praktische Prüfroutine für die Baustelle: Lieferschein und Statik abgleichen, die deklarierte Klasse kontrollieren, Ziegelart und Mörtel zusammen betrachten und sichtbare Schäden aussortieren. Das ersetzt keine normgerechte Laborprüfung. Es verhindert aber, dass ein Bauherr eine Palette abnimmt, deren Kennzeichnung nicht zum geplanten Mauerwerk passt.

Denn die Druckfestigkeit von Ziegeln im Vergleich ist nur der erste Schritt. Ein einzelner Stein ist noch keine Wand. Zwischen dem Bruchwert im Labor und der Belastbarkeit von Mauerwerk liegen Lagerfuge, Stoßfuge, Mörtel, Geometrie, Ausführung und die statische Berechnung.

Die Systematik der Steindruckfestigkeitsklassen nach DIN 105-100

Wenn Sie auf der Baustelle einen Ziegel in die Hand nehmen, halten Sie im Grunde ein genormtes Bauteil in der Hand — auch wenn er äußerlich unspektakulär wirkt. Hinter jeder Klasse steckt eine klare Zuordnung: Die Zahl der Steindruckfestigkeitsklasse gibt nach DIN 105-100 den kleinsten zulässigen Einzelwert der Druckfestigkeit in N/mm² an.

Ein Ziegel der SFK 12 muss bei der normgerechten Prüfung also mindestens 12 N/mm² erreichen. Das ist kein Durchschnittswert und keine frei geschätzte Herstellerangabe. Es handelt sich um die Untergrenze für den zulässigen Einzelwert. Ein Prüfkörper, der darunter bleibt, erfüllt diese Anforderung nicht.

Die Klassen werden nicht deshalb vergeben, weil ein Hersteller seinen Stein gern als besonders stabil verkaufen möchte. Sie sind Teil der technischen Kennzeichnung und müssen zur vorgesehenen Verwendung sowie zur statischen Planung passen. Im Wohnungsbau begegnen einem häufig SFK 8, 10, 12 oder 16. Höhere Klassen kommen je nach Bauaufgabe, Steinart und Beanspruchung ebenfalls vor.

DruckfestigkeitsklasseKleinster zulässiger EinzelwertTypische Einordnung
SFK 44 N/mm²leichte, überwiegend nichttragende Trennwände
SFK 66 N/mm²gering beanspruchte Innenwände
SFK 88 N/mm²tragende Wände bei geeigneter statischer Planung
SFK 1010 N/mm²häufige Anwendung im Wohnungsbau
SFK 1212 N/mm²tragende Außen- und Innenwände mit höheren Anforderungen
SFK 1616 N/mm²stärker beanspruchte Bauteile und bestimmte Verblender
SFK 20 und höhermindestens entsprechend der Klassenbezeichnunghöhere Lasten, Sonder- und Gewerbebau

Die Tabelle ersetzt keine Bemessung. Ein Stein der SFK 20 ist nicht automatisch die richtige Wahl für jede tragende Wand, und eine SFK 8 ist nicht automatisch ungeeignet. Entscheidend ist, welche Lasten tatsächlich anfallen, wie die Wand ausgebildet wird und was im Statiknachweis vorgesehen ist.

Das ist der Punkt, an dem viele Baustellenfehler entstehen. Ein Bauherr bestellt den vermeintlich günstigeren Ziegel, der Rohbauer bekommt eine andere Variante geliefert, und erst beim Abgleich mit den Unterlagen fällt auf, dass die Klasse nicht der Ausschreibung entspricht. Solange die Palette noch nicht vermauert ist, lässt sich das klären. In der fertigen Wand wird aus einer einfachen Lieferabweichung schnell ein aufwendiger Nachweis- oder Rückbaukonflikt.

Die SFK findet sich in der Produktkennzeichnung, auf dem Lieferschein oder in den technischen Unterlagen des Herstellers. Sie sollte mit der Statik und der Ausschreibung übereinstimmen. Fehlt die Angabe oder ist sie nicht eindeutig, gehört die Palette nicht einfach verarbeitet, nur weil Format und Farbe passen.

SFK, Nennwert und Prüfserienmittelwert

Die wichtigste Unterscheidung lautet:

  • Die SFK bezeichnet den kleinsten zulässigen Einzelwert.
  • Der Mittelwert wird aus einer Prüfserie mehrerer Steine ermittelt.
  • Dieser Mittelwert muss mindestens 25 Prozent über dem Wert der Klasse liegen.
  • Der Mittelwert beschreibt die Prüfserie, nicht den einzelnen Ziegel in Ihrer Hand.

Bei SFK 12 bedeutet das: Der kleinste zulässige Einzelwert liegt bei 12 N/mm². Der Mittelwert der maßgeblichen Prüfserie muss mindestens 15,0 N/mm² erreichen. Daraus folgt aber nicht, dass jeder einzelne Ziegel 15 N/mm² erreicht. Ein einzelner Stein kann unter dem Serienmittelwert liegen und trotzdem die Anforderungen erfüllen, solange er den zulässigen Einzelwert nicht unterschreitet.

Diese Trennung ist keine Spitzfindigkeit. Sie entscheidet darüber, ob ein Lieferschein richtig gelesen wird. Die SFK 12 bedeutet nicht, dass jeder Ziegel exakt 12 N/mm² erreicht. Sie bedeutet ebenso wenig, dass jeder Ziegel mindestens 15 N/mm² erreicht. Die 15,0 N/mm² sind der geforderte Mittelwert der Prüfserie.

Mechanische Prüfung: Der Weg vom Ziegel zum Bruchwert nach DIN EN 772-1

Was passiert, wenn ein Hersteller die SFK 12 für einen Ziegel angibt? Die Antwort liefert das Prüfverfahren nach DIN EN 772-1. Dort ist festgelegt, wie die Druckfestigkeit eines Mauersteins unter standardisierten Bedingungen ermittelt wird.

Geprüft wird ein einzelner Ziegel — kein Stapel und keine fertige Wand. Der Stein wird vorbereitet, auf seine belastete Fläche ausgerichtet und zentrisch in eine Druckprüfmaschine eingesetzt. Anschließend wird die Last kontrolliert gesteigert, bis der Prüfkörper versagt. Aus der Bruchlast und der maßgeblichen Druckfläche wird die Druckfestigkeit in N/mm² berechnet.

Das Grundprinzip lässt sich einfach ausdrücken:

Druckfestigkeit = Bruchlast geteilt durch belastete Fläche

In der Praxis hängt das Ergebnis allerdings an vielen Details. Die Auflage muss eben sein, die Kraft muss möglichst zentrisch eingeleitet werden, und die Vorbereitung des Prüfkörpers muss dem Verfahren entsprechen. Ein verkanteter Stein, eine ungleichmäßige Auflage oder eine falsche Flächenangabe kann das Ergebnis beeinflussen. Deshalb ist die Prüfung nicht mit dem Versuch vergleichbar, einen Ziegel auf der Baustelle mit einem Hammer zu zerbrechen.

Auch die Form des Ziegels spielt eine Rolle. Hochlochziegel, Planziegel, Vollziegel und Vormauerziegel werden nicht einfach untereinander verglichen, als wären sie identische Körper. Ihre Geometrie, Lochung, Rohdichte und vorgesehene Verwendung beeinflussen die Prüfung und die spätere Bemessung.

Die normgerechte Prüfung wird an einer Prüfserie durchgeführt. Aus den Einzelwerten wird ein Mittelwert gebildet. Dieser Mittelwert darf nicht mit dem Ergebnis eines einzelnen Steins verwechselt werden. Ebenso wenig ist er automatisch die Zahl, die als SFK auf dem Lieferschein erscheint. Die SFK ist die deklarierte Klasse mit ihrem Mindestwert; der Serienmittelwert dient unter anderem dazu, die erforderliche Streuung und die Einhaltung dieser Untergrenze abzusichern.

Die SFK ist eine Untergrenze für den einzelnen Stein. Der Mittelwert gehört zur Prüfserie — nicht zu dem Ziegel, den Sie gerade aus der Palette gezogen haben.

Für die Baustellenkontrolle folgt daraus eine nüchterne Konsequenz: Mit bloßem Auge lässt sich die Druckfestigkeit nicht zuverlässig bestimmen. Man kann Risse, Abplatzungen, Bruchstellen, falsche Formate oder auffällige Unterschiede erkennen. Ob ein Stein aber 10, 12 oder 15 N/mm² erreicht, entscheidet keine Sichtprüfung. Bei einem begründeten Verdacht ist eine fachgerechte Probenahme mit anschließender Laborprüfung erforderlich.

Statische Tragfähigkeit: Warum der Mittelwert 25 Prozent über dem Nennwert liegen muss

Die 25-Prozent-Regel wird häufig falsch erklärt. Sie ist kein persönlicher Sicherheitsbonus für jeden einzelnen Ziegel und auch kein Wert, den man einem zufällig ausgewählten Stein zuschreiben darf. Sie bezieht sich auf den Mittelwert einer Prüfserie.

Bei SFK 12 muss der kleinste zulässige Einzelwert 12 N/mm² betragen. Gleichzeitig muss der Mittelwert der Prüfserie mindestens 15,0 N/mm² erreichen. Bei SFK 8 sind es mindestens 10,0 N/mm² im Mittel, bei SFK 20 mindestens 25,0 N/mm² und bei SFK 28 mindestens 35,0 N/mm².

SFKMindestwert des einzelnen PrüfkörpersErforderlicher Mittelwert der Prüfserie
SFK 88 N/mm²mindestens 10,0 N/mm²
SFK 1010 N/mm²mindestens 12,5 N/mm²
SFK 1212 N/mm²mindestens 15,0 N/mm²
SFK 1616 N/mm²mindestens 20,0 N/mm²
SFK 2020 N/mm²mindestens 25,0 N/mm²
SFK 2828 N/mm²mindestens 35,0 N/mm²

Warum liegt der Mittelwert über dem kleinsten zulässigen Einzelwert? Weil keramische Baustoffe trotz kontrollierter Herstellung streuen. Rohstoff, Formgebung, Trocknung und Brennvorgang sind technisch beherrschbar, aber nicht vollkommen ohne Schwankung. Eine Prüfserie soll deshalb nicht nur gerade eben den Klassenwert erreichen. Sie muss so beschaffen sein, dass die Einzelwerte die geforderte Untergrenze einhalten können.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein einzelner Stein aus der Mitte der Palette automatisch 25 Prozent stärker ist als die Klassenbezeichnung. Der Satz Der Ziegel der Klasse 12 hat 15 N/mm² Mittelwert wäre fachlich falsch. Ein einzelner Ziegel hat einen eigenen Prüfergebniswert. Der Mittelwert entsteht erst, wenn mehrere Ergebnisse derselben Prüfserie zusammengeführt werden.

Für Bauherren ist das besonders wichtig, wenn Angaben aus technischen Datenblättern, Ausschreibung und Lieferschein miteinander verglichen werden. Ein Hersteller kann für eine Produktreihe einen Prüfserienmittelwert ausweisen. Auf der Baustelle wird der einzelne Stein dadurch aber nicht zu einem Durchschnittswert. Die deklarierte SFK bleibt die maßgebliche Klassenangabe für die Untergrenze des Einzelwerts.

Was die SFK nicht aussagt

Die SFK beschreibt die Druckfestigkeit des Mauersteins unter den festgelegten Prüfbedingungen. Sie sagt nicht allein aus,

  • wie viel Last eine fertige Wand insgesamt tragen kann,
  • wie widerstandsfähig die Wand gegen seitlichen Druck ist,
  • wie gut sie gegen Frost, Feuchtigkeit oder Schlagbeanspruchung geschützt ist,
  • wie sicher Anschlüsse, Stürze und Deckenauflager ausgebildet sind,
  • oder ob die Wand bei schlechter Ausführung ihre rechnerische Tragfähigkeit erreicht.

Ein Ziegel mit hoher Druckfestigkeit kann in einer schlecht ausgeführten Wand trotzdem zu Problemen führen. Umgekehrt kann ein Ziegel mit niedrigerer SFK für eine konkrete Wand vollkommen ausreichend sein, wenn die statische Bemessung und die Ausführung dazu passen.

Anforderungen an Vormauersteine, Verblender und Keramikklinker im Vergleich

Im Rohbau werden verschiedene Begriffe gern durcheinandergebracht. Vormauerstein, Verblender und Keramikklinker sind nicht einfach drei Bezeichnungen für denselben Ziegel. Sie können sich bei Herstellung, Wasseraufnahme, Frostwiderstand, Oberfläche, Maßhaltigkeit und Druckfestigkeit deutlich unterscheiden.

Ein Vormauerstein übernimmt häufig eine sichtbare oder witterungsgeschützte Funktion vor der tragenden Innenschale. Ein Verblender wird ebenfalls als sichtbare Außenschicht eingesetzt, muss aber je nach Produkt und Konstruktion bestimmte Anforderungen an Optik und Dauerhaftigkeit erfüllen. Keramikklinker werden besonders dicht gebrannt und sind für stark beanspruchte, sichtbare Flächen geeignet. Die konkrete Einstufung richtet sich nach Produktnorm, Herstellerangaben und geplanter Verwendung.

SteinartTypische AufgabeWorauf es neben der Druckfestigkeit ankommt
Vormauersteinsichtbare Außenschale oder VerblendungFrostwiderstand, Wasseraufnahme, Oberfläche und Maßhaltigkeit
Verblendergestaltete Sichtfläche im AußenbereichFarbspiel, Sortierung, Fugenbild, Dauerhaftigkeit und Verarbeitung
Keramikklinkerbesonders widerstandsfähige Sicht- und Fassadenflächenhohe Rohdichte, geringe Wasseraufnahme, Frostbeständigkeit und Oberfläche

Die Druckfestigkeit ist bei diesen Steinen wichtig, aber nicht das einzige Auswahlkriterium. Eine Fassade wird nicht dadurch dauerhaft, dass der Verblender eine hohe SFK besitzt. Wenn Wasser falsch abgeführt wird, die Fuge nicht zum Stein passt oder die Außenschale nicht ausreichend verankert ist, hilft auch ein hoher Laborwert nur begrenzt.

Bei der Materialprüfung Mauerwerk müssen deshalb mehrere Ebenen getrennt betrachtet werden:

1. Der Einzelstein: Welche Druckfestigkeitsklasse ist deklariert, und welche Werte gelten für Einzelwert und Prüfserienmittelwert?

2. Das Produkt: Ist der Stein für die vorgesehene Außen- oder Innenanwendung geeignet?

3. Der Mörtel: Passt der Mörtel zur Steinart, zur Lagerfuge und zur geplanten Verarbeitung?

4. Die Wand: Welche charakteristische Druckfestigkeit ergibt sich aus Stein, Mörtel, Geometrie und Ausführung?

5. Das Bauteil: Welche Lasten, Exzentrizitäten, Öffnungen und Anschlüsse werden tatsächlich bemessen?

Gerade bei Verblendern und Keramikklinkern kommt noch die gestalterische Seite hinzu. Unterschiedliche Produktionschargen können sich in Farbe und Struktur unterscheiden. Paletten sollten deshalb vor dem Vermauern kontrolliert und sinnvoll gemischt werden. Das ist kein Thema der Druckfestigkeit, verhindert aber sichtbare Unregelmäßigkeiten, die sich später nicht mehr korrigieren lassen.

Vom Einzelstein zur Wand: Berechnung der charakteristischen Wanddruckfestigkeit nach Eurocode 6

Eine der häufigsten Fehlannahmen lautet: Wenn ein Ziegel die SFK 12 besitzt, hat auch die fertige Wand eine Druckfestigkeit von 12 N/mm². Das ist nicht richtig. Die Wand ist ein Verbund aus Stein und Mörtel. Ihre Tragfähigkeit ergibt sich nicht aus der einfachen Übertragung des Einzelwerts.

Für die Bemessung nach Eurocode 6 wird die charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks aus den Eigenschaften der Mauersteine und des Mörtels abgeleitet. In die Berechnung gehen unter anderem ein:

  • die normgerechte Druckfestigkeit des Mauersteins,
  • die Mörtelart und Mörtelfestigkeit,
  • die Steinabmessungen und die Lochung,
  • die Ausführung der Lager- und Stoßfugen,
  • die Art des Mauerwerks,
  • die Geometrie des Bauteils,
  • sowie die maßgeblichen nationalen Anwendungsregeln.

Vereinfacht wird die Beziehung häufig als Funktion aus Stein- und Mörtelfestigkeit dargestellt:

fₖ = K · fᵦ^α · fₘ^β

Dabei steht fₖ für die charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks, fᵦ für die normbezogene Druckfestigkeit des Steins und fₘ für die Druckfestigkeit des Mörtels. Die Faktoren und Exponenten hängen von der jeweiligen Mauerwerksart und den normativen Randbedingungen ab. Für die Baustelle ist entscheidend: Die Formel ist kein Freibrief, die SFK mit der Wandfestigkeit gleichzusetzen.

Ein weiterer Unterschied liegt zwischen charakteristischer Festigkeit und Bemessungswert. Für die statische Bemessung wird nicht einfach der höchste Laborwert verwendet. Sicherheitsbeiwerte, Einwirkungen und Bauteilbedingungen werden berücksichtigt. Außerdem kann eine Wand durch Öffnungen, geringe Wanddicke, ungünstige Lagerung oder exzentrische Lasten deutlich anders beansprucht werden als ein ideal zentrisch geprüfter Stein.

Warum der Mörtel nicht nur eine Fuge ist

Der Mörtel verbindet die Steine, gleicht Unebenheiten aus und überträgt Druck. Seine Eigenschaften müssen zur Steinart und zur Bauweise passen. Bei Planziegeln mit Dünnbettmörtel sind die Lagerfugen sehr dünn und die Anforderungen an die Maßhaltigkeit der Steine entsprechend hoch. Bei herkömmlichem Mauerwerk mit Normalmörtel wirkt die Fuge anders auf das Tragverhalten.

Auch die Verarbeitung beeinflusst die Belastbarkeit:

  • Eine unvollständige Lagerfuge kann die Last ungleichmäßig einleiten.
  • Verschmutzte oder ausgetrocknete Auflageflächen verschlechtern den Verbund.
  • Beschädigte Stege und falsch ausgebildete Anschlüsse können Spannungsspitzen erzeugen.
  • Nicht geplante Schlitze und Aussparungen schwächen den Querschnitt.
  • Eine nicht lotrechte Wand wird durch zusätzliche Biegung und Exzentrizität beansprucht.

Das erklärt, warum ein hochwertiger Ziegel keine schlechte Ausführung kompensiert. Die Stabilität von Ziegelwänden hängt nicht nur von der Festigkeitsklasse ab, sondern vom gesamten System.

Unsere praktische Prüfmethode für Ziegellieferungen

Unsere Prüfung auf der Baustelle beginnt nicht mit einem Hammer, sondern mit den Unterlagen. Wir gehen in einer festen Reihenfolge vor, weil die meisten Abweichungen bereits auf dem Papier sichtbar werden.

1. Lieferschein und Ausschreibung abgleichen

Auf dem Lieferschein müssen Produktbezeichnung, Format, Menge und Festigkeitsklasse zur Bestellung passen. Bei mehreren Ziegeltypen auf derselben Baustelle sollte klar sein, welche Palette zu welcher Wand gehört. Eine Palette für nichttragende Innenwände darf nicht versehentlich im Außenmauerwerk landen.

2. SFK mit dem Statiknachweis vergleichen

Die im Statiknachweis oder in der Ausführungsplanung angesetzte Steinqualität ist maßgeblich. Eine höhere Klasse ist nicht automatisch ein Problem, eine niedrigere Klasse aber keinesfalls eine Kleinigkeit. Bei Abweichungen muss der Tragwerksplaner beurteilen, ob eine Änderung zulässig ist.

3. Kennzeichnung und Zustand der Palette prüfen

Die Kennzeichnung muss lesbar und dem Produkt zuordenbar sein. Zusätzlich kontrollieren wir, ob Steine gebrochen, stark durchnässt, verschmutzt oder an den Lagerflächen beschädigt sind. Einzelne Transportschäden sind nicht dasselbe wie eine falsche Druckfestigkeitsklasse, können aber die Verarbeitung und das Ergebnis der Wand beeinflussen.

4. Steinart und Mörtelsystem zusammen betrachten

Ein Stein ist nicht isoliert zu bewerten. Dünnbettmörtel, Normalmörtel und Leichtmörtel haben unterschiedliche Einsatzbereiche. Entscheidend ist, ob das auf der Baustelle verwendete System zur Zulassung, zur Produktinformation und zur statischen Planung passt.

5. Auffälligkeiten dokumentieren

Bei Unstimmigkeiten werden Lieferschein, Palettenetikett, Produktdaten und Fotos gesichert. Die auffällige Palette sollte nicht einfach vermauert werden, solange die Zuordnung nicht geklärt ist. Eine spätere Prüfung in der fertigen Wand ist aufwendiger und liefert nicht immer dieselben Möglichkeiten wie eine kontrollierte Probenahme vor der Verarbeitung.

Diese Methode stellt keine Laborprüfung nach DIN EN 772-1 dar. Sie ist eine Plausibilitäts- und Ausführungskontrolle. Genau darin liegt ihr Wert: Sie soll nicht eine Druckpresse ersetzen, sondern verhindern, dass offensichtliche Abweichungen unbemerkt in das Bauwerk gelangen.

Was bei einem Verdacht auf falsche Druckfestigkeit passiert

Wenn die gelieferte SFK nicht mit den Unterlagen übereinstimmt, wird zunächst die Dokumentation geprüft. Manchmal liegt nur eine Verwechslung der Produktbezeichnung vor. Manchmal wurde eine Palette falsch abgeladen. Erst wenn die Kennzeichnung und die Lieferpapiere tatsächlich nicht zusammenpassen, ist eine technische Klärung mit Lieferant, Hersteller und Tragwerksplaner notwendig.

Bei begründetem Verdacht kann eine Probenahme veranlasst werden. Die Auswahl der Steine, die Kennzeichnung, der Transport und die Prüfung müssen fachgerecht erfolgen. Ein selbst ausgewählter Ziegel, der auf der Baustelle beschädigt wurde, ist kein belastbarer Nachweis für eine ganze Lieferung.

Ist die Wand bereits hergestellt, wird die Beurteilung schwieriger. Dann können zusätzliche Untersuchungen und gegebenenfalls Berechnungen erforderlich werden. Ob eine Abweichung statisch relevant ist, lässt sich nicht allein anhand eines einzelnen Bruchwerts entscheiden. Die Wand, ihre Lasten, die Ausführung und die Sicherheitsreserven müssen als Gesamtsystem betrachtet werden.

Die entscheidende Trennlinie

Für die Bewertung von Ziegeln im Rohbau reicht es nicht, eine Zahl vom Lieferschein abzulesen. Man muss wissen, was diese Zahl bedeutet und was sie nicht bedeutet.

Die SFK ist der kleinste zulässige Einzelwert der Druckfestigkeit. Der Prüfserienmittelwert muss mindestens 25 Prozent darüber liegen. Dieser Mittelwert beschreibt die Serie und nicht jeden einzelnen Stein. Erst aus Stein, Mörtel, Geometrie und Ausführung ergibt sich die charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks. Und erst die statische Bemessung zeigt, ob dieses Mauerwerk die konkreten Lasten des Gebäudes sicher abträgt.

Wer diese Ebenen auseinanderhält, liest technische Unterlagen nicht mehr wie ein Rätsel. Die Druckfestigkeit von Ziegeln im Vergleich wird dann zu dem, was sie sein soll: eine belastbare technische Information — aber kein Ersatz für die Planung der ganzen Wand.

Häufige Fragen

Was bedeutet die SFK auf dem Lieferschein?
Die SFK steht für die Steindruckfestigkeitsklasse und definiert den kleinsten zulässigen Einzelwert der Druckfestigkeit in N/mm² gemäß DIN 105-100.
Ist ein Ziegel der SFK 12 automatisch stabiler als einer der SFK 8?
Ja, die SFK gibt die Untergrenze der Druckfestigkeit an. Ob ein Stein für ein Bauvorhaben geeignet ist, hängt jedoch immer von der statischen Planung und den tatsächlich anfallenden Lasten ab.
Kann ich die Druckfestigkeit eines Ziegels selbst auf der Baustelle prüfen?
Nein, eine zuverlässige Bestimmung der Druckfestigkeit ist nur durch eine normgerechte Laborprüfung nach DIN EN 772-1 möglich. Eine Sichtprüfung kann lediglich Schäden oder falsche Formate aufdecken.
Warum muss der Mittelwert der Prüfserie höher sein als die SFK?
Da keramische Baustoffe produktionsbedingt streuen, muss der Mittelwert der Prüfserie mindestens 25 Prozent über dem Klassenwert liegen, um die Einhaltung der Untergrenze für jeden einzelnen Stein abzusichern.
Entspricht die Druckfestigkeit des Ziegels der Tragfähigkeit der fertigen Wand?
Nein, die charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Stein, Mörtel, Geometrie und der handwerklichen Ausführung.